Gegen die Denunzianten-Plattform der AFD! Wir solidarisieren uns mit den anderen Hamburger Schulen und Kollegien!

Als Kollegium der Beruflichen Schule Bautechnik (BS 08) wenden wir uns entschieden gegen die Website der AfD-Fraktion der Hamburgischen Bürgerschaft mit dem Namen „Informationsportal Neutrale Schulen Hamburg“ und dem damit verbundenen Versuch der AfD, Kolleginnen und Kollegen einzuschüchtern, die sich für die Werte der Demokratie und der Menschenrechte einsetzen.

Wir solidarisieren uns mit den anderen Hamburger Schulen und Kollegien, die bereits in der Form offener Briefe an die AfD-Fraktion Haltung gezeigt und sich positioniert haben.

Wir arbeiten an einer Schule mit Schülerinnen und Schülern verschiedenster Herkunft, Religion, Lebensweise und -anschauung. Es ist unsere tiefste Überzeugung, dass es unsere Aufgabe ist, ein angstfreies, vertrauensvolles  und entwicklungsförderliches Klima an unserer Schule zu fördern und zu bewahren. Diese Überzeugung  aller Kolleginnen und Kollegen unserer Schule kommt  in unserem Leitbild zum Ausdruck. Die AfD versucht verschiedene Gruppen der Gesellschaft gegeneinander auszuspielen, anstatt ein Miteinander zu fördern. Nun versucht die AfD, diese Politik in den Bildungssektor zu tragen und hat zu diesem Zweck ihr „Informationsportal Neutrale Schule Hamburg“ geschaffen. Dieses Portal soll nicht nur die Auseinandersetzung mit der Politik der AfD im Unterricht unterdrücken, sondern auch Schülerinnen und Schüler gegen ihre Lehrerinnen und Lehrer ausspielen.

Wir sind nicht bereit, dieses Vorgehen schweigend hinzunehmen, sondern werden jetzt und in Zukunft öffentlich gegen diese und weitere demokratiefeindliche und ein friedliches Miteinander gefährdende  Angriffe auf Schule und Gesellschaft Stellung beziehen:

An die AfD-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft

Auf Ihrer Website bieten Sie die (anonyme) Möglichkeit, Lehrerinnen und Lehrer zu melden, gegen die ein “Anfangsverdacht” bestehe, das schulische Neutralitätsgebot nicht zu beachten. Sie schrecken vor dem Zynismus nicht zurück, dies mit dem Kampf “für Meinungsfreiheit und damit für eine lebendige Demokratie” zu begründen.

Wir sind der Auffassung, dass Sie das Neutralitätsgebot an Schulen nicht nur gründlich missverstehen, sondern politisch instrumentalisieren, um Lehrerinnen und Lehrer, die ihren Bildungsauftrag im Sinne des Hamburgischen Schulgesetzes § 2 ernstnehmen, einzuschüchtern.

Wir begreifen Ihr Portal als Aufforderung zur üblen Nachrede und lehnen diesen Zensurversuch entschieden ab.

Hiermit beanspruchen wir folgende Punkte für uns:

  • Wir informieren sehr kritisch über die Inhalte und Strategien der AfD – wie auch über andere Parteien mit demokratiefeindlichem Programm.
  • Wir weisen Schülerinnen und Schüler explizit darauf hin, welche Gefahren von einem Erstarken der AfD für die freiheitlich-demokratische Grundordnung ausgehen können.
  • Wir erarbeiten mit Schülerinnen und Schülern im Unterricht die mindestens in Teilen der AfD vorherrschende ablehnende Haltung gegenüber Pressefreiheit, Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit.
  • Im Leitbild unserer Schule haben wir festgelegt, dass wir für ein angstfreies, vertrauensvolles und wertschätzendes Miteinander eintreten, unabhängig vom Geschlecht, der sexuellen Orientierung, der ethnischen und religiösen Herkunft. Wir sprechen an, dass wir dieses Prinzip durch eine Partei gefährdet sehen, deren Führungspersonal etwa in Deutschland lebende Türken als “Kameltreiber” bezeichnet und Politikerinnen in Anatolien “entsorgen” möchte.
  • Wir diskutieren kritisch im Unterricht über die unterschiedlichen Spielarten der menschenfeindlichen Ideologie des Rassismus in allen Institutionen der Gesellschaft und bringen zur Sprache, dass wir diese Haltung in den Positionen und der Rhetorik der AfD wiederfinden.
  • Wir thematisieren im Unterricht, die wiederholte und andauernde Reduzierung komplexer Sachverhalte, die in der AfD stattfindet. Diese Rhetorik gleicht der, die in der Massenvernichtung von Millionen von Menschen und einem Weltkrieg endete – was von Führungspersonen der AfD als “Vogelschiss” in der deutschen Geschichte aufgefasst wird.
  • Wer in der Schule seine politische Meinung frei ausspricht, ist aufgefordert sich der Diskussion zu stellen und muss keinerlei Sanktionen oder Einschüchterungen erwarten. Dieses Prinzip gilt in erster Linie für die Schülerinnen und Schüler, wir beanspruchen es aber auch für uns als Lehrkräfte.
  • Wir sind grundsätzlich nicht neutral gegenüber allen rassistischen, demokratiefeindlichen und menschenverachtenden Positionen, benennen diese explizit und machen ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft deutlich.

Wir verstoßen dabei nicht gegen die Grundsätze unseres Berufsstandes, sondern folgen unserem Diensteid und wissenschaftlich anerkannten Grundsätzen politischer Bildung sowie dem Beutelsbacher Konsens, in dem wir uns verpflichten, das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, die Verfassung der Freien und Hansestadt Hamburg und alle in der Bundesrepublik Deutschland geltenden Gesetze zu wahren.

Wir sind der Überzeugung, dass es unsere Pflicht ist, unsere Schülerinnen und Schüler über die Instrumentarien einer wehrhaften und lebendigen Demokratie aufzuklären und sie zu ermutigen, sich an diesem Prozess zu beteiligen.

Wenn es in diesem Zusammenhang in der Vergangenheit notwendig war, aktiv gegen die AfD zu sprechen, dann haben wir dies mit unseren Schülerinnen und Schülern getan und werden dies auch zukünftig tun.

Wir möchten mit diesem offenen Brief diejenigen Hamburger Kolleginnen und Kollegen stärken, die durch Beschwerden bereits unter Druck geraten sind und rufen alle Kollegien der Hamburger Schulen dazu auf, es uns gleich zu tun.

Wir begrüßen es, dass die Schulbehörde die von den Angriffen der AfD betroffenen Kolleginnen und Kollegen unterstützt und rufen die Schulbehörde dazu auf, dies in größtmöglichem Umfang auch weiterhin zu tun.

Die Lehrerinnen und Lehrer der BS 08

Berufliche Schule Bautechnik


Die BS 08 (ehemals G19) ist eine von 32 berufsbildenden Schulen in Hamburg. Sie ist als Fachberufsschule Bautechnik für die Ausbildung der Auszubildenden in den Berufen der Bauwirtschaft in Hamburg zuständig.

Kontakt


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  • Billwerder Billdeich 622
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